DIE QUADRATUR DES GLÜCKS

von
Rudi K. G. de Mello
Patryk Witt

Handelt von dem Stande und der Lebensweise des ruhmvollen Edlen Don Quijote von la Mancha

In einem Dorfe von la Mancha, dessen Namen ich mich nicht entsinnen mag, lebte unlängst ein Edler, einer von denen, die eine Lanze auf dem Vorplatz haben, einen alten Schild, einen dürren Klepper und einen Jagdhund. Eine Olla, mehr von Rind- als Hammelfleisch, des Abends gewöhnlich kalte Küche, des Sonnabends arme Ritter und freitags Linsen, sonntags aber einige gebratene Tauben zur Zugabe verzehrten drei Vierteile seiner Einnahme.

Das übrige ging auf für ein Wams vom besten Tuch, Beinkleider von Samt für die Festtage, Pantoffeln derselben Art, in gleichen für ein auserlesenes ungefärbtes Tuch, womit er sich an den Wochentagen schmückte. Bei ihm lebte eine Haushälterin, die die Vierzig verlassen, und eine Nichte, die die Zwanzig noch nicht erreicht hatte, zugleich ein Bursche, in Feld- und Hausarbeit gewandt, der sowohl den Klepper sattelte, als auch die Axt zu führen wusste. Das Alter unseres Edlen war an den Fünfzigern. Er war von frischer Konstitution, mager, von dürrem Gesichte, ein großer Frühaufsteher und Freund der Jagd.

Es ist zu wissen, dass obgenannter Edler die Zeit, die ihm zur Muße blieb – und dies betrug den größten Teil des Jahres – dazu anwandte, Bücher von Rittersachen mit solcher Liebe und Hingebung zu lesen, dass er darüber fast die Ausübung der Jagd als auch die Verwaltung seines Vermögens vergaß; ja, seine Begier und Torheit hierin ging so weit, dass er viele Hektar von seinen Saatfeldern verkaufte, um Bücher von Rittertaten anzuschaffen, in denen er lesen mochte; auch brachte er so viele in sein Haus, als er deren habhaft werden konnte.

Unter allen schienen ihm keine so trefflich als die Werke, die der berühmte Feliciano de Silva verfertigt hatte, die Klarheit seiner Prosa und den Scharfsinn seiner Redewendungen hielt er für Perlen, fürnehmlich wenn er auf Artigkeiten oder Ausformulierungen stieß, in denen er oft Passagen fand wie: „Das Tiefsinnige des Unsinnlichen, das meinen Sinnen sich verhaftet hat, erschüttert also meinen Sinn, dass ich über Eure Schönheit eine vielsinnige Klage führe.“ Oder wann er las: „Die hohen Himmel, die Eure Göttlichkeit göttlich mit den Gestirnen bewehrt, haben Euch die Verehrung der Ehre verwährt, womit Eure Hoheit geehrt ist.“

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